Westerwaldkreis - Es regt sich Protest gegen die geplante Neustrukturierung der 15 Pastoralen Räume des Westerwaldkreises zu acht Pfarreien neuen Typs. Den Pastoralen Raum Meudt träfe die Neustrukturierung besonders hart, weil die dazugehörigen Gemeinden quasi in alle Winde zerstreut würden.
Während einer Informationsveranstaltung im Pfarrzentrum Hahn am See machten sich die Betroffenen Luft und trugen ihre Kritik Gerhard Buballa und Daniel Rick vom Bistum Limburg vor. Der Ton blieb dabei nicht immer ganz sachlich, schließlich fühlten sich die Katholiken in ihren Grundfesten erschüttert. Der Grund: Niederahr soll zukünftig zur Pfarrei St. Bonifatius Wirges gehören, während Salz, Hahn am See, Guckheim und Herschbach/Oww. künftig zur Pfarrei Christ-König Westerburg zugeschlagen würden. Die übrigen Gemeinden des Pastoralen Raumes, Wallmerod, Weidenhahn, Meudt und Weroth, würden später zur Pfarrei St. Laurentius Nentershausen gehören.
Die Frage lautete im Konsens: „Wenn es nur noch maximal acht Pfarreien geben soll, warum werden nicht jeweils zwei Pastorale Räume zu einer Pfarrei neuen Typs zusammengefasst?“ Auf diese Weise könnten gewachsene und gut funktionierende Strukturen erhalten bleiben. Die Kitas Niederahr und Meudt zum Beispiel, kooperieren seit Jahren in Form einer gegenseitigen Urlaubsvertretung, sodass in der mageren Zeit trotzdem immer eine der Kitas geöffnet ist, um berufstätige Eltern zu unterstützen. Und schließlich sei, so Antonius Wolf von der Kirchengemeinde Meudt, der Pastorale Raum ausgesprochen engagiert und stark. Außerdem, so Egid Zeis aus Meudt, sei der Pastorale Raum Meudt seit Jahrhunderten gewachsen, die Gemeinden stehen in Verbindung und es sei klar, dass angesichts der vom Bistum vorgelegten Pläne, Schärfe in die Diskussion kommt. Klaus Lütkefedder, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Wallmerod, sprach sogar von einem Gau. Er stellte nicht die Strukturreform als solche in Frage, aber doch den Weg dorthin.
Bezirksdekan Heinz-Walter Barthenheier suchte zu vermitteln. Die vorgelegten Pläne seien lediglich ein Vorschlag, der noch nicht verbindlich sei. Änderungswünsche von Seiten der pastoralen Gremien seien willkommen. Das Hauptaugenmerk habe bei der Zuordnung zu den Pfarreien auf der Anzahl der Katholiken gelegen. Das Bistum wollte eine zu große Diskrepanz zwischen den acht Pfarreien vermeiden. Den Gläubigen aber ist die gewachsene Zugehörigkeit wichtiger.
Von unserer Redakteurin Susanne Willke
Hartenfels - In feierlichem Rahmen wurde das neue Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF) 20/16 der Freiwilligen Feuerwehr Hartenfels eingeweiht und in Dienst gestellt. Das bisherige Fahrzeug der Marke Magirus von 1984 entsprach nicht mehr dem technischen Standard, auch ein Umbau war nicht möglich.
Von unserer Reporterin Natalie Simon
Das neue „Arbeitsgerät“ von Iveco mit einem Magirus-Aufbau verfügt über einen leistungsstarken 230-PS-Dieselmotor, Allradantrieb, eine grüne Innenbeleuchtung sowie eine Rückfahrkamera und ist mit Digitalfunk ausgestattet. Das HLF 20/16 ermöglicht drei Atemschutzgeräteträgern das Anlegen der Ausrüstung während der Fahrt. Ein 1600 Liter GFK-Tank versorgt bei Bedarf den Dachmonitor, der mit einer hohen Reichweite aufwarten kann. Umfeldbeleuchtung, Power-Moon sowie der abklapp- und ausfahrbare Hecklichtmast sorgen für ausreichende Ausleuchtung, ein 14 KVA Bosch Stromerzeuger sichert die elektrische Versorgung. Bei der Brandbekämpfung steht den Hartenfelser Wehrleuten nun auch eine Wärmebildkamera zur Verfügung. Des Weiteren Druckbelüfter, Schlauchtragekorb mit Absperrorgan und Hohlstahlrohr für den Innenangriff sowie ein tragbarer Rosenbaur-Monitor. Die Steuerung der Pumpe und des Schaumzumischers erfolgt über den Pumpenstand am Fahrzeugheck.
Bei Verkehrsunfällen kann die Wehr auf eine Rettungsschere S 180 und einen Spreizer SP 40 von Weber zurückgreifen. Aus gleichem Hause sind auch Schwelleraufsatz, Teleskop-Rettungszylinder und Stabilisierungsböcke. Eine Säbelsäge und ein großer Winkelschleifer sind ebenfalls an Bord. Hebekissen und Büffelheber, Airbag-Sicherung, Glasmanagement-Set und Hooligan-Tool sowie umfangreiches weiteres Werkzeug machen die Ausrüstung komplett. Kranken und Verletzten kann mit Notfallkoffer, Defibrillator mit EKG und Sauerstoff-Einheit geholfen werden. Zur Menschenrettung kommen Schleifkorb- und Schaufeltrage sowie das Rettungsbrett zum Einsatz. Nasssauger mit Pumpe, Hygienebord mit Wasser, Luft etc. und die Verkehrsleit- und Warnanlage „Triblitz“ sind auch auf dem HLG zu finden.
Die Anschaffung des neuen HLF von 1998, das vorher im Besitz der Hamburger Berufsfeuerwehr war, war für die Freiwillige Feuerwehr ein Mammutprojekt. Nur durch die großzügige Unterstützung der Firma Huf Haus und ihrer Partnerfirmen, Unternehmen aus Hartenfels und der Umgebung sowie privaten Spendern gelang es, das neue Fahrzeug ohne öffentliche Gelder zu erwerben und umzubauen. Mit dem HLF 20/16 verfügt die Hartenfelser Wehr nun über ein Fahrzeug, das in dieser Größe sonst nur bei Großstadt- oder Berufsfeuerwehren zu finden ist.
Die Hartenfelser Wehrleute hatten die Übergabe des neuen HLF zum Anlass genommen, um alle Feuerwehrfreunde und Interessierten ins Feuerwehrgerätehaus einzuladen. Mit musikalischer Begleitung der Burg-Kapelle Hartenfels und des Kirchenchores sowie vielen Gästen aus Kommunalpolitik und Feuerwehr wurde das Fahrzeug eingeweiht. Im Anschluss standen HLF und Feuerwehrgerätehaus zur Besichtigung offen. Den jüngsten Gästen wurde mit verschiedenen Spielen kurzweilige Unterhaltung geboten. Verschiedene feuerwehrtechnische Übungen rundeten das Programm ab.
Monabaur - So leer gefegt wie am Mittwochmorgen war der Konrad-Adenauer-Platz in Montabaur selten. Nachdem im Callcenter der Nassauischen Sparkasse anonym eine Bombendrohung eingegangen war, sperrte die Polizei sofort den gesamten Platz. Die Händler des Wochenmarktes mussten ihre Stände verlassen und auch die umliegenden Geschäfte wurden vorübergehend geschlossen.
Vier speziell ausgebildete Sprengstoffsuchhunde durchschnüffelten das große Gebäude der Naspa mit vielen Büros. Sie fanden glücklicherweise nichts. „Bei einer Bombendrohung müssen wir grundsätzlich größte Vorsicht walten lassen und alle denkbaren Sicherheitsvorkehrungen treffen“, erklärte Polizeisprecher Andreas Bode. 18 Beamte der Polizei Montabaur waren im Einsatz. Ein Teil war damit beschäftigt, den Konrad-Adenauer-Platz von Schaulustigen freizuhalten und auch damit, die Waren der Händler zu bewachen, die in aller Eile den Platz verlassen mussten und kaum Zeit hatten, die Waren weg zuschließen.
Die Naspa in Montabaur arbeitete an diesem Mittwoch wegen des von Verdi empfohlenen Bankenstreiks nur mit einer Notbesetzung. Ob ein Zusammenhang zwischen der Bombendrohung und dem Streik besteht, ist bisher unklar. Der Spuk begann um 10 Uhr, um 12.30 Uhr war alles vorbei. Passanten und Händler gingen schnell zur Tagesordnung über. skw
Lochum - „Es waren einmal fünfundzwanzig Zinnsoldaten, die alle Brüder waren, da man sie aus ein und demselben alten Zinnlöffel gegossen hatte. Das Gewehr hielten sie im Arm, das Gesicht vorwärts gegen den Feind gerichtet; rot und blau, kurzum herrlich war die Uniform.“ Hans Christian Andersen setzte den kleinen Kerlen mit „Der standhafte Zinnsoldat“ ein literarisches Denkmal. Otto Schwertel gibt den stolzen Figuren ein neues Gewand. Bei dem Rentner aus Lochum wird die Uniform auch mal gegen ein Fußballtrikot getauscht. Neben den klassischen Zinnsoldaten zieren auch Tiere, Könige und Kicker der Bundesliga die Vitrinen – liebevoll ausgearbeitet bis ins kleinste Detail. Zinngießen ist nicht einfach nur ein Hobby von Otto Schwertel, sondern auch eine Leidenschaft.
Einst als Lernspielzeug für Kinder konzipiert, erlebten die Figuren, meist hergestellt aus einer Zinn-Bleilegierung, Mitte des 19. Jahrhunderts einen regelrechten Boom und wurden zu einem begehrten Sammelobjekt. Auch Otto Schwertel wurde vor rund 30 Jahren vom „Zinnfieber“ gepackt und hat seit dieser Zeit Tausende von Figuren gegossen, bearbeitet und bemalt. Wie viele genau, weiß er angesichts der großen Zahl selbst nicht mehr.
Als der gelernte Elektriker mit seiner damaligen Firma Zinn-Bierleitungen aus einer Gaststätte entfernte, entschloss sich Otto Schwertel dazu, das Metall nicht dem Schrotthändler zu geben, sondern selbst zu behalten. Schnell besorgte er sich zwei Formen und legte los. Anfangs waren es noch Becher und Schnapsflächen, in die sich die ehemaligen Zinnleitungen verwandelten, doch immer häufiger entstanden kleine Figuren und standhafte Zinnsoldaten. Wie er mit dem Metall umgehen musste, um am Ende eine perfekte Figur in den Händen zu halten, das hat sich Otto Schwertel selbst angeeignet – durch Versuche und das Lesen von Fachliteratur.
Wie aus einem Klumpen Zinn ein rund 200 Gramm schwerer Soldat wird, hört sich einfach an, ist aber mit viel Arbeit und Fingerspitzengefühl verbunden. Zuerst wird die entsprechende Form mit Talkum eingeschmiert und das bei rund 850 Grad geschmolzene Zinn eingegossen. Nachdem das Metall abgekühlt und somit wieder fest ist, kann die Form geöffnet werden. Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit des Zinngießers. Der Rohling lässt nur entfernt erahnen, wie die Figur später aussehen wird. Es wird geraspelt und gefeilt, bis die gewünschte Form erreicht ist. Mit einem winzigen Pinsel und Farbe erhalten die kleinen Kerle winzige Münder und Augen und werden so zu einer individuellen Persönlichkeit. Denn wenn man ganz genau hinsieht, erkennt man, dass sie nicht alle gleich aussehen. Der Preußische Soldat in der ersten Reihe guckt eindeutig entschlossener als sein Zinnbruder rechts neben ihm.
Beim Bemalen nimmt sich Otto Schwertel immer viel Zeit und entwickelt nur mithilfe der Farbe aus vorgefertigten Formen ganz andere Figuren. Als Mitglied des Historienvereins Rotenhain fertigt er momentan Burgfräulein und Ritter an – gegossen in Formen für Schachfiguren. Auch die Bundesliga-Tabelle hat Schwertel bereits in Zinn verewigt. Stellvertretend für jeden Verein steht ein Spieler im passenden Trikot auf der Holztreppe. So kann jeder sofort erkennen, welcher Verein ganz vorn liegt. Seine Zinn-Kicker haben bereits in einigen regionalen Gaststätten einen Ehrenplatz erhalten. Auch Glücksbringer fertigt der Lochumer an. Wer ihn mal in Aktion erleben will, kann dies beim Rotenhainer Burgfest tun.
Von unserer Reporterin Larissa Schütz
Westerwaldkreis - Eine allerletzte Chance, künftig ein straffreies Leben in Freiheit und nicht hinter schwedischen Gittern zu führen, haben zwei Männer erhalten, die des Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte schuldig sind. Die heute 40 und 44 Jahre alten Angeklagten wurden am Amtsgericht Montabaur zu Freiheitsstrafen verurteilt, die auf Bewährung ausgesetzt wurden.
Es war im August 2011 in Höhr-Grenzhausen, als der Polizei am frühen Morgen eine Ruhestörung in einer Wohnung gemeldet wurde. Die Beamten trafen auf zwei völlig Betrunkene: Der Jüngere von ihnen, der in Tadschikistan geboren ist, stellte sich den Polizisten in den Weg und äußerte selbst den Wunsch, in die Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach gebracht zu werden. Doch dann stieß er nach dem einen Beamten, der fast zu Fall kam, bäumte sich auf, trat um sich und musste schließlich zur eigenen Sicherheit fixiert werden. Sein Kumpel, der dazu kam, verhielt sich ebenbürtig – und musste schließlich auch fixiert werden. Ein rechtsmedizinisches Gutachten attestiert dem damals 39-Jährigen am Tattag einen Blutalkoholwert von 3,61 Promille. Der 44-Jährige hatte ein Atemalkoholwert von 2,47 Promille.
Vor Gericht zeigten sich die beiden Angeklagten reumütig. Wiederholt entschuldigten sie sich für ihr Verhalten. Über ihre Verteidiger legten sie ein vollumfängliches Geständnis ab, auch wenn der 40-Jährige angab, sich an nichts erinnern zu können. Doch ein Vollrausch schützt nicht davor, zur Verantwortung gezogen zu werden: Wer sich vorsätzlich oder fahrlässig durch alkoholische Getränke oder andere berauschende Mittel in einen Rausch versetzt, wird mit einer Freiheitsstrafe oder mit einer Geldstrafe bestraft, wenn er in diesem Zustand eine rechtswidrige Tat begeht und ihretwegen nicht bestraft werden kann, weil er infolge des Rausches schuldunfähig war oder weil dies nicht auszuschließen ist.
Fünf Vorstrafen, davon drei einschlägige, weist das Strafregister des 40-Jährigen auf, der arbeitslos und seit einigen Monaten bereits kräftig dabei ist, Sozialstunden zu leisten. Er wurde zu einer Freiheitsstrafe von 13 Monaten (Gesamtstrafe) verurteilt. Die Bewährungszeit beträgt fünf Jahre, er hat insgesamt 300 Sozialstunden zu leisten. Eine Bewährungsauflage ist, sich künftig vom Alkohol fern zu halten und eine Entzugstherapie durchzustehen.
Mit Hand auf dem Herzen bat der 44-Jährige um Entschuldigung. Er stammt aus Kasachstan, leistet gerade ein Praktikum und belegt einen Deutschkurs. Sein Strafregister weist zwei Eintragungen auf (Trunkenheit im Verkehr). Er wurde zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten verurteilt. Die Bewährungszeit beträgt vier Jahre. Auflage ist, 200 Sozialstunden innerhalb von zwölf Monaten zu leisten.
„Bekommen Sie Ihr Leben in den Griff!“, gab Richter Sven Kaboth den Verurteilten mit auf den Weg. Beide Männer haben nun die Chance zu zeigen, dass sie wirklich gewillt sind, ein straffreies Leben zu führen. Zu ihren Gunsten sprach, dass die als Zeugen geladenen Polizisten aussagten, dass ihres Wissens nach die beiden Männer seit jenem Vorfall im Sommer letzten Jahres nicht mehr auffällig geworden seien. Von unserer Reporterin Angela Baumeier
Siershahn - Die Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen in Siershahn möchte mit einem „Gedenkstein gegen das Vergessen“ an den vermissten Pascal Zimmer aus Saarbrücken erinnern und mit ihm an alle Kinder, denen schweres Leid zugefügt wurde.
Der Gedenkstein, eine rund 1,80 Meter große und 800 Kilogramm schwere Stele aus weißem afrikanischen Quarzit, soll am kommenden Samstag, 19. Mai, um 17 Uhr, in Siershahn aufgestellt werden. Sechs Wochen lang soll die von dem Steinmetz und Bildhauer Bruno Harich aus Neunkirchen-Seelscheid gestaltete Stele als Mahnmal ihren Platz auf dem Eckgrundstück an der Haupt- und Bahnhofstraße finden. Die Öffentlichkeit ist eingeladen, an der Gedenkveranstaltung teilzunehmen.
„Wir sind sehr froh darüber, dass der Ortsgemeinderat von Siershahn dem Projekt zugestimmt hat und wir den Gedenkstein für Pascal aufstellen können“, sagt Johannes Heibel, Vorsitzender der Initiative gegen Gewalt. „Unser Ziel ist es, den Schutz von Kindern vor Sexual- und Gewaltstraftätern zu verbessern und die Öffentlichkeit für das Thema Missbrauch von Kindern zu sensibilisieren“, betont Heibel. Gerade in der jüngsten Vergangenheit gab es in der Region zahlreiche Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern – allen voran das Drama von Fluterschen oder der Fall des sogenannten Neuwieder „Sex-Lehrers“ (unsere Zeitung berichtete).
„Unsere Gemeinde ist dankbar, dass die Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch besteht und eine solch wertvolle Arbeit leistet“, betont Ortsbürgermeister Alwin Scherz gegenüber der WZ. Der Verein unter Vorsitz des engagierten Johannes Heibel lege den Finger in die Wunde und weise beharrlich auf Missstände hin. „Für uns ist es selbstverständlich, dass wir das Projekt unterstützen und der Gedenkstein gegen das Vergessen sechs Wochen hier bleibt“, sagt Scherz. Nach der Station in Siershahn soll der Stein im Juni in Siegburg, der Heimat von Bildhauer Bruno Harich, aufgestellt werden und dann deutschlandweit auf Reisen gehen.
Hintergrund: Der Fall von Pascal Zimmer aus Saarbrücken, der am 30. September 2001 spurlos verschwand, hat bundesweit für Aufsehen gesorgt. Trotz umfangreicher Ermittlungen und eines Mammutprozesses konnte nicht zweifelsfrei geklärt werden, was mit Pascal passiert ist. Bisher wurde keine Leiche des damals fünfjährigen Kindes gefunden. Das Landgericht Saarbrücken sprach nach einem dreijährigen Prozess alle zwölf Angeklagten, darunter auch Pascals Mutter, aus Mangel an Beweisen frei. Wegen Vergewaltigung in Tateinheit mit schwerem sexuellen Missbrauch an Pascal und seinem Freund B. M. wurde in einem abgetrennten Verfahren des Pascal-Prozesses im Oktober 2003 Peter W. S. zu sieben Jahren Haft verurteilt. Dem Urteil zufolge ist belegt, dass der Verurteilte Pascal und seinen Freund mehrfach schwer sexuell missbraucht hat. Während Pascal vermutlich von seinen Peinigern ermordet wurde, überlebte sein Freund die Verbrechen schwer traumatisiert. Der heute 16-Jährige lebt in einer Pflegefamilie und ist weiterhin auf therapeutische Hilfe angewiesen; er wird ebenfalls von Heibels Initiative betreut.
Das grausame Schicksal von Pascal und das „skandalöse und unverständliche“ Urteil ließen der Siershahner Initiative keine Ruhe. Mit einem Gedenkstein wollte Vorsitzender Johannes Heibel an Pascal erinnern – und fand in dem Steinmetz Bruno Harich, selbst Vater dreier Kinder, einen Mitstreiter. Der Bildhauer erklärte sich bereit, den Stein für die Initiative zu bearbeiten. Hilfe bekam er dabei von Pascals Freund B. M., der unter Harichs Anleitung einige Buchstaben in Stein gemeißelt hat. Der Besuch des Jungen war für den Steinmetz, wie er sagt, ein „erschütterndes Erlebnis“.
Die Stele trägt die Inschrift: „Lieber Pascal, wir beide waren noch so klein, als wir das Allerschlimmste, den Missbrauch an uns Kindern, erleben mussten. Jetzt lebe ich mit diesen schmerzhaften Erinnerungen, die mich nicht loslassen wollen – und du bist nicht mehr da. Ich bewahre dich in meinem Herzen, dein Freund B. M..“
Von unserer Redakteurin Stephanie Kühr
Weitere Informationen unter www.initiative-gegen-gewalt.de
Zehnhausen/Berod - Die spektakuläre Bergung des von Dieben versenkten 100-PS-Traktors lief dem Kirmesmontag in Zehnhausen den Rang ab: Unter den Blicken zahlreicher Schaulustiger hob ein mächtiger, mit gegenläufigen Doppelrotoren ausgerüsteter Hubschrauber den fünf Tonnen schweren Trecker aus dem See im ehemaligen Basaltsteinbruch in der Gemarkung Berod.
Ein Traktor im früher als Fisch- und Badegewässer genutzten Zehnhausener Weiher: Dort war das Fahrzeug gefunden worden, nachdem es in Ende April gestohlen worden war. Taucher der Bereitschaftspolizei hatten das schwer beschädigte Fahrzeug in sechs Metern Tiefe gefunden - und schon da war klar: Die Bergung wird nicht einfach.
Jetzt flog der Hubschrauber an. Taucher der DLRG in etwa sechs Meter Wassertiefe Gurte um den Traktor gelegt und an einer Boje verankert. Vor dort wurden Zuggurte an den schönen Basaltsäulen vorbei zum erhöhten Ufer verlegt. Dort konnten dann die Schäkel in den Kranhaken des Hubschraubers eingehängt werden.
Der immer noch unbekannte Dieb hat das Fahrzeug in Meudt gestohlen, dann bei einer Runde durch die Region Unfälle in Salz und Bilkheim verursacht und Fahrerflucht begangen. Schließlich hatte er den Traktor versenkt. Der Schaden war auf rund 30.000 Euro geschätzt worden. mm
Koblenz/Westerwald - Im Prozess zu den Schüssen auf die ehemalige Disco Funpark in Mülheim-Kärlich ist ein Schöffenrichter schwer erkrankt – jetzt muss das Landgericht Koblenz die Verhandlung gegen den angeklagten Westerwälder (32) schlimmstenfalls in einer Koblenzer Klinik fortsetzen. Der Prozesstag am Montag fiel aus, der nächste ist am 23. Mai.
Der Vorsitzende Richter Ralf Bock teilte mit: Der Schöffe ist dann wohl wieder fit. Wenn nicht, würde das Gericht den Prozess vielleicht an dessen Krankenbett fortsetzen. Es will vermeiden, dass weitere Kosten entstehen und der Prozess wiederholt werden muss.
Der Westerwälder ist wegen sechsfachen versuchten Mordes angeklagt. Laut Staatsanwaltschaft fuhr er am 3. April 2008 nachts in einem BMW über die Bundesstraße 9. Mit im Auto sollen ein Koblenzer (31) und ein Unbekannter gesessen haben. Am Funpark soll das Auto abgebremst und einer der Männer mit einer Pistole acht Mal auf den Eingang des Tanzlokals geschossen haben. Dort hielten sich zwei Türsteher und vier Besucher auf. haw
Montabaur - Mitarbeiter eines Metall verarbeitenden Betriebes im Montabaurer Industriegebiet Alter Galgen stellten heute Morgen den Diebstahl eines 1000 Kilogramm schweren Edelstahlbehälters im Wert von mehr als 10000 Euro fest.
Der oder die Täter hatten im Laufe des vergangenen Wochenendes zunächst den Zaun zum Firmengelände aufgebrochen und dann den auf dem Freigelände abgestellten Tank entwendet. Die Polizei vermutet, dass zum Abtransport des Tanks ein Lkw mit Kran verwendet wurde. Hinweise an die Kriminalinspektion Montabaur unter der Telefonnummer 02602/92260 erbeten.
Westerburg - Früher war er Zeitsoldat, dann wurde er wegen einer Drogensache unehrenhaft aus dem Dienst entfernt. Jetzt muss sich der 24-Jährige wegen Nötigung, versuchter Nötigung und weil er die Sicherheit des Straßenverkehrs beeinträchtigt haben soll, am Amtsgericht in Westerburg verantworten. Und das alles, weil die Beziehung zu einer 16-Jährigen abgekühlt war und – so die Anklage - er die Trennung wohl nicht akzeptieren wollte. Es ging nach Darstellung der Staatsanwaltschaft so weit, dass der ehemalige Soldat an einem Motorrad der Schülerin die Bremsleitungen angeritzt haben soll.
„Ich war nicht der verschmähte Liebhaber. Durch sie bin ich doch an den ganzen Mist rangekommen. Sie wollte damit aufhören. Ich hatte mit Drogen nichts mehr zu tun und hatte auf das ganze Theater keine Lust mehr. Sie machte Probleme, nicht ich“, verteidigte sich der Angeklagte. Nicht sie habe mit ihm Schluss gemacht, rechtfertigte sich der 24-Jährige zum Prozessauftakt, er habe sie rausgeworfen, weil sie mit ihrem Drogenkonsum nicht klar kam.
Schüler sollen den 24-Jährigen dabei beobachtet haben, wie er sich vor der Schule an dem Motorrad der Ex-Freundin zu schaffen gemacht haben soll. „Kann gar nicht sein“, kontert der frühere Soldat. Zu dieser Zeit sei er in der Kaserne gewesen. Belegen sollen dies die Aussagen von ehemaligen Kameraden, laut Aktenlage just die, die mit ihm wegen Drogenkonsums aufgeflogen waren. Geschickt haben soll der Angeklagte der Verflossenen auch eine Text der Bösen Onkelz. „Wir messen uns an unsren Taten/Denken, nur die Harten kommen in den Garten/Doch alles ist im Fluss/Nur vergiss nicht, dass du sterben musst“, heißt es unter anderem in dem Stück. „Versehentlich geschickt“, meint der 24-Jährige lapidar hierzu.
Belastet wird er auch von den eigenen Eltern. „Er rastet bei Beziehungsenden regelrecht aus“, gaben sie bei der Polizei zu Protokoll. Als es zu einer Gewaltschutzverfügung kam, soll er gegenüber Ermittlern geäußert haben, dass ihn dies nicht interessiere. In Anwesenheit von Polizisten soll es zu massiven Beleidigungen von Mutter und Vater gekommen sein. Der Angeklagte räumte ein, dass er mit seinen Eltern nicht klarkomme, beleidigt jedoch habe er niemand.
Zweimal wurde das Verfahren kurz unterbrochen, einmal zogen sich die Verfahrensbeteiligten zur Beratung zurück, einmal beriet sich der Verteidiger des Angeklagten mit seinem Mandanten. Doch der 24-Jährige blieb bei seiner Version: „Ich war es nicht, und ich bleibe dabei.“
Jetzt wird eine Vielzahl von Zeugen gehört werden müssen. Und auch die Bundeswehr interessiert sich bereits als ehemaliger Arbeitgeber für den Ausgang des Verfahrens. Der Prozess wurde vertagt. wez
Westerburg - Mit einem schwungvollen musikalischen Festtag statt eines steifen Kommers: So hat die Stadtkapelle Westerburg ihr 150-jähriges Bestehen gefeiert. Der Festtag begann mit einem Gottesdienst in der Schlosskirche, der von Pfarrer Eckehard Brandt gehalten und von den Jubilaren musikalisch gestaltet wurde. Zu hören war ein Saxophonquartett (Jutta Schmale, Andre Kaiser, Maik Pinkel und Florian Wirth), und die Jüngsten zeigten, was sie in der frühmusikalischen Erziehung bereits gelernt haben.
Mit diesem Gottesdienst erinnerte die Stadtkapelle, die 1862
als Posaunenchor begann, zugleich an ihre Ursprünge. Im Anschluss ging es gemeinsam in einem Festzug zum Rathausplatz, wo die Egerländerbesetzung der Stadtkapelle für schwungvolle Unterhaltung sorgte. Dirigent Maic Zimmermann begrüßte alle Festgäste und dankte allen, die zum Gelingen des Festes beitrugen. Wir haben uns gedacht: 150 Jahre Stadtkapelle ist ein guter Grund zum Feiern, deshalb gibt es 150 Liter Freibier", verkündete er. Den Reigen der Grußworte eröffneten Bürgermeister Gerhard Loos und Stadtbürgermeister Ralf Seekatz, zugleich Schirmherr des Jubiläums, und überreichten mit herzlichen Glückwünschen zugleich Urkunden. Wir brauchen nicht zu erwähnen, wie wichtig die Stadtkapelle als Kulturträger ist mit ihren Konzerten und ihrer Jugendarbeit, denn das weiß jeder hier!", betonte Seekatz. Befreundete Vereine nutzten dann gerne die Möglichkeit, zum runden Geburtstag zu gratulieren in Worten, oder auch mit einem eigenen Beitrag. Anschließend wurde gemeinsam gebührend gefeiert. Von unserer Reporterin Angela Baumeier
Zehnhausen bei Wallmerod - Die Nachricht, dass der Traktor, der Ende April in Meudt gestohlen worden war, mit einem Hubschrauber geborgen werden soll, löste einen Zuschauerstrom aus.
Der See bei Zehnhausen wurde zum touristischen Anziehungspunkt, viele Schaulustige wollten sich das Schauspiel der Traktorbergung nicht entgehen lassen und machten sich am Sonntagmittag auf den Weg dorthin. Doch dann kam die Nachricht, dass der Hubschrauber in den Niederlanden zur Bergung von Sturmopfern gebraucht würde und erst am Montag zur Verfügung steht. Einige Zuschauer nahmen es mit Humor und spekulierten, dass nur ein Gerücht gestreut worden wäre, um zur Zehnhäuser Kirmes zu locken. skw
Westerwald - Viele Diabetiker aus dem Unteren Westerwald müssen sich derzeit einen neuen Arzt suchen. Die Schwerpunktpraxis von Eberhard Strutz in den Räumen des Dernbacher Krankenhauses ist geschlossen. Nachdem der Mediziner seinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste, suchten seine Mitarbeiter händeringend einen Nachfolger. Weil diese Bemühungen bis zum avisierten Termin Anfang April aber nicht zum Erfolg führten, musste die Praxis zumindest vorübergehend aufgegeben werden.
Für Strutz' Kollegen in der Region bedeutet das mehr Arbeit. Michael Kann, Diabetologe aus Ruppach-Goldhausen, zum Beispiel fängt derzeit morgens etwas früher an und bleibt abends etwas länger. Bislang habe er zwar noch jeden neuen Patienten aufnehmen können, berichtet er. Auf einen Termin mussten die Betroffenen aber unter Umständen etwas länger warten. Bei Diabetikern sei vor allem der Erstkontakt zu einem neuen Arzt in der Regel etwas zeitaufwendiger. Es müssen einige Untersuchungen durchgeführt und Besonderheiten der bisherigen Behandlung erfragt werden, so der Experte.
Dass bislang kein neuer Arzt für die Räume in Dernbach gefunden wurde, findet auch Kann bedauerlich. Eine weitere Schwerpunktpraxis für Zuckerpatienten könne der Untere Westerwald sicherlich brauchen, meint der Mediziner. Aber obwohl die Anzahl der Diabetiker auch in unserer Region stetig steigt, ist es nicht leicht, einen Nachfolger für eine solche Schwerpunktpraxis zu finden. Einerseits gebe es relativ wenige Ärzte, die auf Diabetes spezialisiert sind, erklärt Kann. Seit die Krankheit fast nur noch ambulant behandelt wird, bilden die Krankenhäuser deutlich weniger Diabetologen in ihren Fachabteilungen aus.
Zum anderen hat sich die auch die wirtschaftliche Situation der Schwerpunktpraxen nach einer Änderung der Gebührenordnung eher verschlechtert. Darin ist geregelt, wie kassenärztliche Leistungen abgerechnet werden. Niedergelassene Diabetologen erhalten demnach für einen durchschnittlichen Fall genauso viel Geld wie ein Hausarzt, erklärt Kann. Dabei spiele es keine Rolle, wie lange und wie oft sich der Arzt mit dem jeweiligen Patienten befasst. Aufwendige Beratungsgespräche, die gerade bei neu erkrankten Diabetikern nötig sind, sieht die Gebührenordnung ebenso wenig vor wie den höheren Medikamentenbedarf, der das Budget der Praxis belastet. Zwar werden Überschreitungen in der Regel nachträglich gebilligt, wenn der Arzt begründen kann, dass die Rezepte aufgrund der chronischen Erkrankung seiner Patienten nötig waren. Solche Unannehmlichkeiten spielten aber sicherlich eine Rolle, wenn Ärzte ihre berufliche Zukunft planen, meint Kann. „Da kommen eben mehrere Sachen zusammen, das sind alles kleine Mosaiksteine“, erklärt er. Das Team am Dernbacher Krankenhaus hat die Hoffnung trotz dieser Probleme allerdings noch nicht aufgegeben. Per Aushang und Bandansage werden die Patienten darüber informiert, dass eine Wiedereröffnung das Ziel bleibt, falls im Laufe des Jahres doch noch ein neuer Diabetologe gefunden wird. Als Termin wird nun der 1. Juli angepeilt. Das Klinikum selbst hat mit der Suche nach einem Nachfolger übrigens nichts zu tun. Die Räume im Krankenhaus sind lediglich vermietet.
Von unserem Redakteur
Thorsten Ferdinand
Westerwaldkreis - Traumergebnis für Gabriele Wieland: Der Parteitag hat die Landtagsabgeordnete aus Montabaur mit 99,3 Prozent der gültigen Stimmen für weitere zwei Jahre zur CDU-Vorsitzenden im Westerwaldkreis gewählt. Für Wieland stimmten 138 Mitglieder, nur ein Christdemokrat stimmte gegen sie. Ebenso deutlich ist das Ergebnis bei ihren beiden Stellvertretern Andreas Quirmbach aus Dernbach (96,4 Prozent) und Johannes Kempf aus Müschenbach (90,4 Prozent) sowie Schatzmeister Markus Hoffarth-Righetti aus Niederahr (97,8 Prozent) ausgefallen. Der Bundestagsabgeordnete Joachim Hörster (67) will sich bis zur Sommerpause entscheiden, ob er im kommenden Jahr noch einmal im Wahlkreis Montabaur kandidiert.
Insgesamt waren am Samstag 148 der mehr als 2100 CDU-Mitglieder aus dem Landkreis nach Hundsangen in der Verbandsgemeinde Wallmerod gekommen, einem "schwarzen Fleck" in der politischen Landkarte des Landes, in dem die örtliche CDU in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert. In der Ollmersch-Halle war bereits deutlich zu spüren, dass Wahlkämpfe bevorstehen: Mit Blick auf die Bundestagswahl 2013 und die Kommunalwahl 2014 zeigte sich die Wäller CDU angriffslustig.
Gabriele Wieland freute sich jetzt zunächst riesig über ihren internen Wahlerfolg: "Das ist für uns Ansporn, die Arbeit der beiden zurückliegenden Jahre fortzusetzen." Alle Themen sollten auch weiterhin offen diskutiert werden. "Unsere Mitglieder sind meist sehr engagierte Menschen in Gesellschaft, Kultur und Kirche mit sehr unterschiedlichen Positionen und Interessen", so Wieland. Kompromisse, die aus den gemischt zusammengesetzten Arbeitskreisen hervorgehen, seien mit Sicherheit tragfähige Entscheidungen. Gerne blickt Wieland jedoch auch auf die zurückliegenden Wahlkämpfe zurück und scheint sich auch auf die kommenden zu freuen: "Julia Klöckner treibt ihre Truppe in Mainz gut voran." Gemeinsam mit ihren Mitstreitern sei die Fraktionsvorsitzende im Landtag sicher in der Lage, Kurt Beck (SPD) im zweiten Anlauf im Amt des Ministerpräsidenten zu beerben.
Zuvor hatte bereits der rheinland-pfälzische CDU-Generalsekretär Patrick Schnieder (MdB) kräftig die Wahlkampftrommel geschlagen: Bei Themen wie Finanzmisere der Kommunen, Nürburgring-Skandal, Justizreform oder Verkehrspolitik ließ Schnieder kein gutes Haar an mehr als 20 Jahren SPD-geführter Landesregierung und einem Jahr Rot-Grün.
Was die CDU in dem kommenden Jahren im Westerwald plant, stellte der Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Stephan Krempel, gemeinsam mit Landrat Achim Schwickert vor. Dabei hoben die Kommunalpolitiker drei Schwerpunkte hervor. "Bildung ist die Zukunft des Westerwaldes", sagte Krempel. Für Menschen, die in der Region leben wollen, sei eine entscheidende Frage, ob ihre Kinder von Tagesstätte über Schule und Ausbildungsplatz bis hin zur späteren Arbeitsstelle auch eine Zukunft haben.
Der zweite Brennpunkt sei die Infrastruktur. Sowohl die Unternehmen als auch die Arbeitnehmer seien auf eine Vernetzung mit den Ballungsgebieten angewiesen. "Pulsadern" wie ICE-Bahnhof sowie Autobahnen und Bundesstraßen seien ein guter Anfang. Wichtig sei aber, dass diese Verkehrsadern auch flächendeckend gut erreicht werden können. Hinzu komme eine Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkehrs, wozu das Gespräch mit den großen Verkehrsverbünden um die Region gesucht werde. Zur modernen Infrastruktur zähle auch die "Datenautobahn": "Ein Büro kann heutzutage statt in Frankfurt auch mitten im Westerwald stehen, wenn schnelles Internet vorhanden ist", so Krempel. Als dritte Säule nannte Krempel den Umgang mit dem demografischen Wandel. Wenn die Bevölkerung in den kommenden Jahrzehnten um 20 Prozent zurückgehe und zunehmend überaltere, werde dies alle Lebensbereiche betreffen.
Laut Landrat Schwickert stehen die Chancen für den Westerwaldkreis gut, auch in Zukunft alle Investitionen meistern zu können und keine Kassenkredite aufnehmen zu müssen. Einen Seitenhieb Richtung Landesregierung mit Blick auf den kommunalen Finanzausgleich konnte sich der Landrat nicht verkneifen: "Rheinland-Pfalz hat in diesem Jahr 13,5 Prozent mehr Steuereinnahmen, ein Anstieg von 9,2 auf 10,5 Milliarden. Wenn wir davon nichts bekommen hätten, wäre ja in Ordnung. Aber uns wurde auch noch eine Million genommen."
Von unserem Redakteur Andreas Jöckel
Bad Marienberg - Imponieren wollte ein bisher unbekannter, junger Mann in Bad Marienberg vier jungen Frauen und verursachte dabei einen Unfall. Zu diesem kuriosen Unfall, bei dem zwei parkende Autos beschädigt wurden, kam es am Freitag gegen 20.30 Uhr im Bereich der Albrechtstraße.
Um vier jungen Damen zu imponieren, hält der Unfallverursacher laut Zeugenangaben kurz mit seinem Auto an, spielt mit dem Gaspedal und lässt bei Vollgas die Kupplung kommen. Aufgrund seines Unvermögens rast er nun in einen am rechten Fahrbahnrand geparkten Wagen und schiebt diesen gegen einen weiteren, davor geparkten Pkw. Daraufhin flüchtet der Unfallverursacher von der Unfallstelle. Zeugenhinweise an die Polizei Hachenburg unter Telefon 02662/95580.
Hof/Salzburg - Bei einem Brand in einem Windrad zwischen Hof und Salzburg ist am Freitagnachmittag wahrscheinlich ein Schaden im sechsstelligen Bereich entstanden. Das Maschinengehäuse wurde komplett zerstört. Personen wurden nicht verletzt.
Der Alarm ging um kurz nach 14 Uhr bei der Polizei in Hachenburg ein. Neben den Beamten waren etwa 20 Feuerwehrleute aus Hof und Bad Marienberg (mit Drehleiter) sowie Helfer des DRK im Einsatz, der sich angesichts der Höhe des Windrades von 40 Metern äußerst kompliziert gestaltete.
Wie es zu dem Brand kam, ist laut Polizei derzeit noch nicht bekannt. Aktuell herrschen in dem Maschinengehäuse noch sehr hohe Temperaturen. Wenn diese gesunken sind, wird nächste Woche ein Gutachter die Ermittlungen aufnehmen. Die Anlage, die einem privaten Betreiber gehört, ist abgeschaltet und vom Netz.
Von unserer Redakteurin Nadja Hoffmann-Heidrich
Ransbach-Baumbach - Die Muslime der Moscheegemeinde von Ransbach-Baumbach wollen am Rande der Töpferstadt eine eigene Moschee errichten. Bereits seit zehn Jahren gibt es in der muslimischen Gemeinde das Bestreben, ein eigenes Gotteshaus zu bauen, das auch optisch wie eine Moschee aussieht - nun werden die Pläne Realität. Nachdem die Baubehörde des Westerwaldkreises den Bauantrag genehmigt hat, soll den Plänen des Frankfurter Architekten und Bauingenieurs Mustafa Enkiz zufolge im Juni mit den Bauarbeiten begonnen werden. Das haben der Vorsitzende der Ransbach-Baumbacher Moscheegemeinde, Ramadan Sengül, und Bürgermeister Michael Merz bei einem Informationsabend bestätigt.
"In der Töpferstadt leben Menschen verschiedener Nationen und Kulturen friedlich in einer Gemeinschaft zusammen. Das ist eine Bereicherung für uns. Wir freuen uns, dass der Bau der Moschee nun Wirklichkeit wird", sagte Michael Merz vor rund 30 interessierten Bürgern. "Unser Ziel ist seit vielen Jahren der Bau einer eigenen Moschee. Wir legen Wert darauf, dass es ein für alle offenes Haus wird, und hoffen auf eine gute Zusammenarbeit mit der Stadt und den Menschen, die hier leben", betonte Sengül.
Nach den Plänen des erfahrenen Architekten Enkiz wird die Moschee auf einem rund 5000 Quadratmeter großen Grundstück in der Haselstraße 41, das im Gewerbegebiet zwischen der Firma Sibelco und dem Ransbach-Baumbacher Fußballplatz liegt und das die Moscheegemeinde bereits vor Jahren erworben hat, neu gebaut. In der Form eines Achteckes (Oktagon) errichtet, überwölben eine größere und zwei kleinere Kuppeln das 617 Quadratmeter große Gotteshaus. Aus Rücksicht auf die Bevölkerung und unter Beachtung der städtebaulichen Auflagen hat die Moscheegemeinde als Bauherr bewusst auf ein Minarett, einen Turm für den Gebetsrufer, verzichtet. Mit einer Firsthöhe von 10,25 Metern fügt sich die Moschee harmonisch in das abfallende Gelände ein. Je nach Spendenaufkommen wird das Gebäude mit Sandstein verkleidet, in der günstigeren Bauvariante soll es hell verputzt werden.
Im Erdgeschoss des Licht durchfluteten und von außen transparenten Gebäudes ist der Gebetsraum für Männer untergebracht. Durch das Portal gelangen Besucher zunächst in den Windfang, in dem sie ihre Schuhe ablegen; direkt daneben liegt der Waschraum für die rituellen Waschungen. Das Herzstück des Oktagons ist der Gebetsraum mit Kanzel. Die muslimischen Frauen haben eine eigene Gebetsgalerie im ersten Stock; der Bereich für die Frauen ist architektonisch mit Windfang, Waschraum und Sanitärbereich ebenso angelegt wie der Bereich für Männer. Der erste Stock ist über eine seitlich des Gebäudes gelegene Rampe bequem von außen zu erreichen. "Die Moschee wird barrierefrei gebaut", erläuterte Architekt Enkiz, der bereits in vielen deutschen Großstädten Moscheebauprojekte geplant und durchgeführt hat.
Im Zuge des Bauprojektes soll die auf dem Grundstück gelegene frühere Stadtvilla (Spang-Haus) weitgehend in Eigenleistung in ein Kulturzentrum umgewandelt werden. Auf einer Nutzfläche von rund 500 Quadratmetern sollen Mehrzweckräume, Veranstaltungssäle, eine Teeküche, Büros und die Wohnung für den Imam der Moscheegemeinde entstehen. Die Baukosten betragen insgesamt rund 800 000 Euro. "Zuerst werden wir mit dem Rohbau der Moschee beginnen, der Ende August fertig sein könnte", sagte Sengül. Dann soll der Moscheebau schrittweise vorangehen - je nach dem Spendenaufkommen. Denn den Bau des Gotteshauses schultert die Gemeinde alleine und ganz ohne Fördermittel. Sengül ist aber zuversichtlich, dass die Moschee in gut zwei Jahren fertig sein wird. "Die Tür der Moschee wird für jeden offen sein", betonte Sengül.
Von unserer Redakteurin Stephanie Kühr
Rennerod - Die neue Freizeitkarte „Naturerlebnis Knotengebiet“, die jetzt in der Touristinformation Hoher Westerwald vorgestellt wurde, ist ein gelungenes Gemeinschaftsprojekt von Rennerod, der Gemeinde Driedorf und des Marktfleckens Mengerskirchen. Im Maßstab 1:25 000 zeigt sie das gesamte Knotengebiet, unabhängig von Landesgrenzen und in seiner Vielfalt.
Übersichtlich sind die Wander-, Rad- und Spazierwege sowie die Nordic-Walking-Strecken eingezeichnet, erläuterte Bianca Wengenroth (Touristinfo Hoher Westerwald). Dazu werden die Startpunkte und die Streckenlängen aufgelistet. Die Legende gibt Hinweise auf Parkplätze, Grill- oder Schutzhütten, Kirchen oder beispielsweise auch Campingplätze. Am Kartenrand sind die GPS-Daten angegeben, die weitere Orientierungsmöglichkeiten bieten. Zusätzlich enthält die Freizeitkarte auf der Rückseite viele weitere Informationen zu Sehenswürdigkeiten und Ausflugszielen in der Region.
Bei der Erstellung der Karte, die von den Touristikerinnen Kerstin Doliwa und Bianca Wengenroth (Rennerod), Anna-Lena Michel (Driedorf) und Katja Konheiser (Mengerskirchen) initiiert und von der Werbeagentur „digitalundklassisch“ Heiko Schneider (Driedorf) umgesetzt wurde, standen den Touristik-Profis der Westerwaldverein Zweigverein Rennerod (bei der Vorstellung vertreten durch Manfred Müller), Paul Schäfer vom Verein Natur- und Wanderfreunde Mengerskirchen sowie die ehrenamtlichen Wegepaten Jürgen Leicht und Bruno Weyel aus Driedorf mit Rat und Tat zur Seite. Die Wege in der Verbandsgemeinde Rennerod werden von den Forstmitarbeitern gepflegt und beschildert, verantwortlich dafür sind die Forstrevierleiter Helmut Scherer (Lasterbach), Michael Schmidt (Rennerod), Dirk Steffen (Liebenscheid) und Dieter Herkersdorf (Weiherhof).
Bürgermeister Werner Daum informierte bei der Präsentation der Freizeitkarte über die Arbeit der Tourist-Information "Hoher Westerwald" und betonte: "Wir können beim Tourismus nicht vor Ländergrenzen halt machen, das versteht kein Wanderer". "Wir haben gleiche Interessenlagen", stimmte ihm Bürgermeister Manfred Scholz (Marktflecken Mengerskirchen) zu. Tourismus bringe ja nicht nur Gäste in die Region, sondern setze auch ein starkes ehrenamtliches Engagement voraus, würdigte er.
Die Karte kostet 4,50 Euro und liegt ab sofort in allen drei Tourist-Informationen zum Verkauf bereit. Von unserer Reporterin Angela Baumeier
Westerwaldkreis - Gelb und Grün so weit das Auge reicht. Die Rapsblüte verleiht der Wäller Landschaft ein besonderes Gesicht. Das Foto ist bei Nister mit Blick in Richtung Hachenburger Schloss entstanden. Die eindrucksvolle Kulisse macht vielen Naturliebhabern Lust, am Wochenende die Wanderschuhe zu schnüren.
Die neueste Wäller Tour führt durch das Eisenbachtal im unteren Westerwald mit seinen Mühlen und einer Extraschleife auf den Bornkasten bei Nomborn.