Im Herzen des Kannenbäckerlandes

Wappenbeschreibung des Sessenbacher Wappens

19. Oktober 2016

Wappen SessenbachVon Silber über Blau durch Wellenschnitt schräglinks geteilt, oben ein durchgehendes rotes Kreuz, unten silberne Hammer und Rodungshacke gekreuzt.

Begründung

Die Datierung der Ersterwähnung von Sessenbach fällt angesichts der zeitweiligen Namensgleichheit mit der Gemeinde Sensenbach bei Dierdorf recht schwer. Eine eindeutige Klärung der ortsgebundenen Belege sollte noch anhand der Quellenbefunde des Landeshauptarchivs Koblenz, des Hessischen Hauptstaatsarchivs Wiesbaden und des Fürstlich Wiedischen Archivs in Neuwied erfolgen.
Nach Helfrich Bernhard Wenck, auf den sich auch Joseph Kehrein stützt, wird Sessenbach als Sinsinbach erstmals im Jahre 1321 urkundlich erwähnt, als Luther von Isenburg Lehen in der Gemeinde besaß. Hellmuth Gensicke hat diesen Ansatz ignoriert und stattdessen 1383 als Ersterwähnungsjahr mit der Form Sinsenbach als Herkunftsname eines Bürgers der Stadt Montabaur angeführt. Ältere Belege des Ritters Karolus von Sinsinbach von 1220 und 1236 hat Gensicke dem Ort Sensenbach zugewiesen.
Die Besiedlung der Gemarkung reicht weit über die urkundliche Ersterwähnung hinaus zurück. Anhand von Bodenfunden konnte eine Siedlung aus der Latènezeit (jüngere Eisenzeit) an der Straße nach Grenzau nachgewiesen werden.
Der Ortsname stellt ein Kompositum auf -bach dar, welches bis ins 16. Jahrhundert die Namengleichheit mit Sensenbach bei Dierdorf bewahrte: Sinsenbach 1383 und 1458, Sensenbach 1538.4 Werner Metzler führt den Ortsnamen auf den Personennamen Sinzo zurück. Mir scheint eine Deutung des Bestimmungswortes zu sos (sus, sis, sas) als uraltes Wort für Sumpf, Ried nahe liegender, zumal die Gemeinde vom Bach gleichen Namens ihre Benennung übernahm.
Ausgehend von seiner relativ späten Ersterwähnung ist Sessenbach der jüngeren Schicht der -bach-Orte zuzuweisen, die meist aus Einzel- oder Hofsiedlungen erwuchsen und zwischen dem 9. und 14. Jahrhundert siedlungsgeschichtlich anzusetzen sind.
Der Wellenschnitt hebt auf den Ortsnamen und die siedlungsgeschichtliche Einordnung der Gemeinde ab.
In Sessenbach befanden sich drei größere Höfe mit unterschiedlichen grundherrlichen Bindungen:

1. Der 1630 erwähnte Isenburger Hof gelangte 1664 an Kurtrier, das noch 1723 den großen Trierer Hof in Besitz hatte.

2. Das Isenburg-Grenzauer Wollenschlägers Höfchen (Kleines Hofgut), das 1590 und 1630 genannt wird, gehörte ebenfalls seit 1664 (noch 1728) Kurtrier.

3. Schließlich ist der wüst gewordene Saynhof anzusprechen, der 1331 als Hof Uf der Seyne begegnet, als diesen Dietrich Herr von Isenburg-Arenfels Kurtrier zu Lehen auftrug.
Aus dem arenfelsischen Erbe gelangte der Hof 1376 an Salentin von Isenburg und war 1553 auf das Haus Bruch verpfändet. Zusammen mit der Herrschaft Bruch an der Wied befand er sich seit 1554 im gemeinsamen Besitz der Erbtöchter der Linie Isenburg-Neumagen. Vor 1584 gelangte er mit Bruch an Sayn-Wittgenstein. Mehrere Besitzerwechsel vollzogen sich Ende des 17. Jahrhunderts. Nachdem der Hof nach einem Brand wüst gelegen hatte, wurde er 1660 von Graf Georg von Sayn-Wittgenstein an den isenburgischen Landschreiber und Keller Carl Valentin Behmer zu Herschbach veräußert. Er verkaufte ihn 1664 dem Landleutnant Hans Theiß Goebel von Urbach, später zu Irlich. Von diesem erwarb ihn wiederum 1690 das Kloster Oberwerth, das den Hof noch 1723 besaß.
Wied-Neuwied, Wied-Runkel und die von Walderdorf besaßen in der Gemarkung 1723 Wiesen. Am Zehnten war 1590 und 1600 Isenburg-Grenzau beteiligt. Dieser befand sich 1723 jeweils zur Hälfte in Besitz von Kurtrier und dem Keller Steiz zu Engers.4 Die Zehnten wurden ab 1840 abgelöst.
Gerichtsherrlich gehörte Sessenbach zunächst vorübergehend bis zur Reformation 1578 zum Gericht Alsbach, dann zum Gericht Nauort, welches für das Kirchspiel Nauort und die Isenburg-Grenzauer Teile des Kirchspiels Alsbach eingerichtet worden war.
Landesherren waren zunächst die Herren von Isenburg. Bei der Erbteilung von 1304/10 kam das Kerngebiet des Kirchspiels Breitenau mit dem später aus dem Gerichtsverband heraus gelösten Kirchspiel Nauort an die mittlere Grenzauer Linie. Mit dem Aussterben der jüngeren Linie von Isenburg-Grenzau 1664, welche seit 1439 das Erbe übernommen hatte, fiel u. a. die Gemeinde Sessenbach an Kurtrier, 1802 mit dem Kirchspiel Nauort an Nassau. Die Amtsverfassung wies Sessenbach seit 1664 dem kurtrierischen Amt Grenzau zu. Nach 1802 blieb der Ort beim Amt Vallendar, ab 1815/16 gehörte er zum Amt Herschbach. Am 3. Mai 1817 erfolgte die Vereinigung der Ämter Herschbach und Selters zum Amtsbezirk Selters, seit 1867 Bestandteil des neu gegründeten Unterwesterwaldkreises.
Das rote Kreuz in Silber weist auf Kurtrier als zeitweiligen Grund- und Landesherrn hin. Blau ist eine der beiden nassauischen Farben und ist somit ebenfalls landesgeschichtlich begründet.

Wie im gesamten Westerwald dominierte auch in Sessenbach die Landwirtschaft das Erwerbsleben, obwohl das raue Klima und die schlechten Bodenverhältnisse wenig günstig wirkten. 1892 wurden 126 ha der 281 ha umfassenden Wirtschaftsfläche landwirtschaftlich genutzt. Der Waldanteil lag bei 141 ha. Die landwirtschaftliche Nutzfläche hat sich im Zeitraum 1937 bis 1960 nur unwesentlich von 137 ha auf 125 ha reduziert. Hauptanbaufrucht blieb in dieser Zeitspanne trotz starker Einbrüche der Hafer, wobei vor allem der Weizenanbau stark zunahm. Die Rindviehhaltung nahm von 1836 (91) bis 1912 (155) kontinuierlich zu und lag 1961 bei 135 Stück Rindvieh.
Die Zahl der agrarwirtschaftlichen Betriebe blieb im 19./20. Jahrhundert auf einem relativ hohen Stand von ca. 30 Höfen. Es handelte sich überwiegend um Betriebe mit einer Grundfläche von 2-10 ha. Der Umfang der Vollbauernstelle verringerte sich von 17 (1910) über 4 (1937) auf 3 (1961), während die Zahl der Nebenerwerbsstellen mit 18 im Jahre 1961 wieder etwa das Niveau von 1910 erreichte. Die Arbeitskräfte rekrutierten sich in der Nachkriegszeit nahezu ausschließlich aus Familienangehörigen.
Die Hacke hebt die hohe Bedeutung der Landwirtschaft innerhalb des Erwerbslebens der Gemeinde hervor.

Die Gemarkung Sessenbach verfügte über Bodenschätze, die im 19. Jahrhundert die Entwicklung bergbaulicher Aktivitäten ermöglichten. Abgesehen von Diabas-Vorkommen sind in erster Linie die Fortsetzungen von Blei-, Silber-, Kupfer-, Zink- und Eisenerzgängen im südwestlichen Revierteil des früheren Bergreviers Dillenburg anzusprechen, die als Zweiter oder Grenzhausener Gangzug firmierten. Ein Bergwerk Rauchehecke wurde am 18. Juli 1856 an den Pfarrer Stadelmann aus Alsbach verliehen. Wenige Jahre später ist der Betrieb der Gruben Oelberg, Vergnügen und Josephsegen mit vorwiegender Kupfererzgewinnung bezeugt. Oelberg enthielt in zwei Gängen von höchstens 0,75 m Mächtigkeit als Ausfüllungsmasse Quarz, aufgelösten Thonschiefer mit häufigen Ausscheidungen von Kupferkies und Schwefelkies. Sie sind von 1864 bis 1867 in einer Länge von zusammen 200 m über dem 12 m Teufe einbringenden Stollen aufgeschlossen und bis 10 m unter dessen Sohle stellenweise abgebaut worden. Die Gruben Vergnügen und Josephsegen wurden aufgrund eingelegter Mutungen vom 7. Juli 1870 bzw. 6. Juli 1870 am 15. August 1871 an den Kaufmann Carl Aldenbrück (Rechtsnachfolger: Gertrud Aldenbrück) aus Mühlheim a. d. Ruhr verliehen. Das Bergwerk Oelberg verlieh die Bergbehörde am 22. Januar 1863 an Wilhelm Kill aus Ebernhahn.

Neben den genannten Gruben existierten in der Gemarkung zwei weitere Vorkommen. Die Gruben Nauort III und Nauort IV wurden aufgrund eingelegter Mutungen vom 22. April 1872 bzw. 14. Juni 1871 am 10. Juli 1873 bzw. 10. März 1873 an den Hauptmann a. D. Hermann Joseph Willms aus Köln auf Eisenstein verliehen.

Der Hammer erinnert an die bergbauliche Tätigkeiten in der Gemarkung.
Das Wappen der Ortsgemeinde Sessenbach ist somit onomastisch, siedlungs-, landes- und wirtschaftsgeschichtlich begründet.

Zuletzt bearbeitet: 19. Oktober 2016

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