Im Herzen des Kannenbäckerlandes

Geschichte der Wirscheider Schule

21. Oktober 2016

( Die Schulchronik erzählt )

Die wichtigste Quelle der Schulgeschichte ist die Schulchronik. Die Chronisten berichten über das Schulhaus, Schüler und Schülerzahlen, Unterricht und Lehre, über Anschaffungen für den Unterrichtsbedarf, über Schulveranstaltungen und über besondere geschichtliche und dörfliche Ereignisse. Das Wort „Wersched“ wird 1547 erstmals erwähnt. Es gehörte zum Bereich der Grafen von Isenburg – Grenzau. Die Grafen von Isenburg übertragen Kurtrier im Jahre 1600 einen Teil des Zehnten von Wirscheid, im Jahre 1674 einen weiteren Anteil an die Pfarrei Nauort.

Von 1665 bis 1818 gehörte Wirscheid zur Mutterschule Nauort. Durch eine neue Schulorganisation wurde Wirscheid von Nauort getrennt und bildete von da an zusammen mit Sessenbach einen eigenen Schulbezirk.
Eine wesentliche Verbesserung der schulischen Verhältnisse brachte die neue Schulordnung von 1817, verordnet von der Nassauischen Regierung. Nach diesem Gesetz war in jeder Gemeinde eine Elementarschule einzurichten, in der alle Kinder vom 6. Bis 14. Lebensjahr unterrichtet werden sollten. Als Unterrichtsfächer wurden festgelegt:
Richtigschreiben, Religion, Naturgeschichte, Geographie, die Lehre vom menschlichen Körper, Rechnen und Raumlehre. Als Vorstufe des späteren Handarbeitsunterrichts wurde für Mädchen die sogenannte „Industrieschule“ eingeführt: nähen, stricken, flicken, spinnen und weben.
Die Schulaufsicht lag in den Händen eines Schulinspektors, meist war das ein Geistlicher. Der Unterricht wurde in einer angemieteten Stube gehalten.
Die Auflösung des Schulverbandes Sessenbach – Wirscheid erfolgte am 1.12.1896. In den Jahren 1892 bis 1895 wurde das Schulhaus in Wirscheid erbaut. Um die Finanzierung dafür zu decken, mußte einige Jahre ein Großteil des Erlöses aus dem Holzverkauf verwendet werden. Das neue Schulgebäude wurde dann am 1.12.1896 feierlich eingeweiht. Es waren anwesend: Herr Landrat Dr. Schmidt, Schulinspektor Pfarrer Norft, die Lehrer des Kirchspiels und der Nachbarorte, auch unter großer Beteiligung der Dorfbevölkerung.
Im neuen Schulhaus war der Unterrichtsraum im unteren Geschoß eingerichtet (Ausmaße ca. 10m x 6m). Im 1.Stock lag die Lehrer-wohnung. Zum Schulgebäude gehörten der Schulhof, die Toiletten für die Schüler und die Lehrerfamilie, ein Schuppen und der Schulgarten. Zur Dorfseite hin stand das Kriegerdenkmal für die Gefallenen und Vermißten der beiden Weltkriege. Einweihungstag des Kriegerdenkmals war der 21.Oktober 1921. Es wurde vor einigen Jahren verändert und neu gestaltet.
Die Schule in Wirscheid war immer eine „Einklassige Schule“, das heißt, die Schüler aller Jahrgänge ( 1. Bis 8. Schuljahr ) wurden zur gleichen Zeit, im gleichen Raum von einem Lehrer unterrichtet. Die Gesamtschülerzahl war oft sehr gering, so daß aus unterrichtlichen Gründen einige Jahrgänge in verschiedenen Fächern zusammengefaßt wurden. Täglich wurden 6 Stunden Unterricht erteilt. Der Unterricht wurde in allen Fächern erteilt.

Die Baumschule
Zum Aufgabenbereich der Schule gehörte auch die Arbeit in der Baumschule (Bommschule). Das Grundstück lag nahe beim Dorf an der Straße nach Sessenbach. Sinn und Zweck einer solchen Einrichtung war es, Obst- und Zierbäume zu züchten, zu veredeln und zu pflegen. Die Pflege wurde dem Lehrer übertragen. Bäume aus der Baumschule wurden auf Feldern in der Gemarkung angepflanzt, oft auch an den Straßenrändern. Auf diese Weise lernten die jungen Menschen den fachgerechten Umgang in der Pflanzenkunde und die Arten der Baumveredelung.

Die Schule vom Kriegsende 1945 bis 1968/1969
Mit dem Einzug der Amerikaner am 26.03.1945 war der Krieg auch für Wirscheid zu Ende. Am 1.10.1945 wurde bereits der Unterricht wieder aufgenommen. Der Lehrer unterrichtete die 8 Jahrgänge in einem Klassenraum. Auf bretternem Boden, der gekehrt, geputzt und auch geölt wurde, standen anfangs zwei oder viersitzige Schulbänke, die ein kindsgerechtes Sitzen und ein störungsfreies Arbeiten fast unmöglich machten. Auf den Bänken lag des Schülers Handwerkszeug: Schiefertafel, Griffelkasten, Schwamm, Fibel und Lesebuch. Vorn im Klassenraum stand das Lehrerpult. Auf einer Längsseite stand der große Ofen mit dem langen, wärmenden Ofenrohr. An der hinteren Wandseite stand der Schulschrank mit den Lehrmitteln und einer Rechenmaschine. Später wurden Klassenräume und Lehrmittel modernisiert. Im letzten Kriegsjahr wurden Schulsaal und Nebenräume als Unterkunfts- und Verpflegungsräume von einer Marschkompanie genutzt, gegen Kriegsende auch als Hauptverbandsplatz.

Die Schulreform von 1965
Das Volksschulgesetz wurde 1965 in der Form geändert, daß bei „wenig gegliederten Schulen die Oberstufen von der 7. Klassen-stufe ab in einer günstig gelegenen Schule zusammengefaßt werden“.
Ab Ostern 1965 besuchten deshalb die Schüler des 7. / 8. Schuljahres die Schule in Nauort. Die Gemeindeverwaltung von Wirscheid mußte diese Maßnahme beschließen. Der Gemeinderatsbeschluß hatte folgenden Wortlaut: „Der Gemeinderat beschließt, mit 4:1 Stimmen einen Teilschulverband für das 7. Und 8. Schuljahr mit der Gemeinde Nauort zu bilden, ab Ostern 1965 im Gastschulverhältnis.“ Diese Gesetzesänderung wurde erst im Jahre 1968 / !969 für Wirscheid wirksam. Die Schule wurde aufgelöst. Die Wirscheider Kinder wurden in die entsprechenden Klassen der Grund- und Hauptschule Nauort eingegliedert. Schulbusse übernahmen im Pendelverkehr den Transport der Schüler zwischen Wirscheid und Nauort. Diese schulische Entwicklung hatte nicht nur Vorteile für die Schüler und ihre Heimatgemeinden. Ein Teil der dörflichen Tradition, ein Teil „der Seele“ eines Dorfes war damit verschwunden.

 

Zuletzt bearbeitet: 21. Oktober 2016

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