Im Herzen des Kannenbäckerlandes

Wappenbeschreibung des Wittgerter Wappens

21. Oktober 2016

Wappen WittgertVon Schwarz und Grün durch silbernen Wellenpfahl gespalten. Links ein silberner Hammer und eine silberne Rodungshacke schräggekreutzt, Rechts ein silberner Tonkrug.

Begründung

Nach den neueren Forschungsergebnissen HELLMUTH GENSICKES wird die Gemeinde Wittgert 1298 im Herkunftsname des „Widechinrode“ erstmals urkundlich erwähnt. Damit ist der alte Ansatz 1376 „Wergerode“ als überholt anzusehen.

Die Namensbezeichnung zum Zeitpunkt der Ersterwähnung der Gemeinde 1298 läßt die ursprüngliche Endung auf -rod noch deutlich erkennen. Die einzelnen Zeugnisse für die Entwicklung des Ortsnamens zeigen eine allmähliche Abschwächung der -rod Endung: 1376 „Wergerode“, 1452 „Wetgerode“ und „Widtgenroth“, 1589 „Witgart“, 1598 „Wiedgerod“, 1760 „Wietgerth“ und „Witgert“.

Siedlungsgeschichtlich ordnet der Ortsname Wittgert den zahlreichen Rodungssiedlungen des Westerwalds zu, die zwischen dem 9. und 14. Jahrhundert entstanden.

Hinsichtlich dieser Niederlassungen ist wohl anzunehmen, dass man vor der schwierigen Arbeit des Rodens den Siedlungsplatz wählerischer betrachtete, als bei der Anlage der Ausbausiedlungen des 6. bis 11. Jahrhunderts und beim später verstärkten Ausbau über größere Erfahrungen verfügte. So wurde mancher Fehler in der Wahl des Siedlungsplatzes vermieden, weshalb sich diese Orte als langlebig und beständig erwiesen.

Die erste Silbe des Ortsnamens deutet METZLER durchaus einsichtig zu einem Personennamen vom Stamme VAR, etwa Warger. STURMFELS verweist auch auf einen möglichen Rückbezug auf den Personennamen WERGER. Daneben bietet sich ebenso Witiko an.

Bei der namensgebenden Person dürfte es sich um den Grundherrn des Siedlungsgebiets gehandelt haben. Als Namensgeber käme auch der sogenannte Lokator in Frage, d.h. der Siedlungsunternehmer, der für die Besiedlung des Dorfes mit Bauern gesorgt hätte.

Eine Deutung zu wit als Bezeichnung für Moor, Sumpf dürfte hier wohl unzutreffend sein.

Die silberne Rodungshacke ordnet Wittgert zum einen siedlungsgeschichtlich als Rodungsort ein. Daneben wird auch die herausragende Bedeutung der Landwirtschaft in der Wirtschaftsgeschichte des Dorfes symbolisiert.

Wie im gesamten Westerwald hatte auch in Wittgert die Landwirtschaft im beruflichen Leben eine hervorgehobene Stellung. Noch 1904 waren im Ort 45 Gehöfte, 40 viehhaltende Haushalte, sechs Pferde, 117 Stück Rindvieh, 71 Schweine verhanden. Von der 473,8 ha umfassenden Gemarkung waren 110 ha Wald (1905).

Für die Wirtschaftsgeschichte der Gemeinde ebenso bedeutsam mögen einzelne Krugbäcker in Wittgert gewsen sein. 1723 werden die Euler Johannes Crulius und Jacob Linck genannt. Ofengeld als Euler zahlten 1760 in Wittgert: Johannes Corzilius, Ludwig Corzilius Witwe, Christ Corzilius, Johannes Cromeich, Johannes Günther. Christian Corcilius Witwe und Johannes Gönthers Witwe waren 1769 und 1771 Schnatzen, während Wilhelm Crommeich als Krugmeister erwähnt wird. 1777 wurde der Clara Gönthers Witwe in Wittgert von der zuständigen Zunft das Meisterrecht der Krugbäcker erteilt.

Besonders sehenswert ist das „Alte Haus“ von 1813. In den Fachwerksfächern zeigt sich eine sehr hübsche Schabkunst mit bäuerlichen Motiven und Lebenssymbolen. An Türen und Figuren im Hausinnern findet sich gleichwertige Schnitzkunst. An seiner Stelle stand eine Eulerei, wie Scherbenfunde bewiesen haben.

Auch von einer früheren bergbaulichen Tätigkeit in der Gemarkung ist in den Archivalien die Rede. Auf einigen Gruben wurde (Braun-) Eisenstein gefördert. Im einzelnen handelt es sich um nachfolgende Betriebe:

– Kronacker, Eisenstein, Lehnträger: Hütteninspektor Engels zur Saynerhütte bei Bendorf. Belehnung: 10. Oktober 1848.
– Einigkeit, Eisenstein, Lehnträger: Hütteninspektor Engels zur Saynerhütte bei Bendorf. Belehnungen: 10. Oktober 1848, 13. Dezember 1849 und 14. März 1851.
– Johannesberg, Eisen, Lehnträger: Johannes Schultheiß zu Hirzen. Belehnung: 10. Oktober 1855.
– Neuruth, Eisen, Lehnträger: Pfarrer Rott zu Höhr. Belehnung: 19. Juli 1856.

Auch eine Eisenstein-Grube Hundsköppel scheint schon 1848 faßbar zu sein, war aber in jedem Fall zwischen 1867 und 1869 im Betrieb. Die Grube Johannesberg befand sich sicher zwischen 1862 und 1867, wahrscheinlich jedoch schon früher, im Besitz des Wilhelm Wissmann zu Bonn. Bereits 1858 hatte Jakob Gassen von Deesen für Wissmann um Anlage einer „Eisensteinwosch“ auf der Grube nachgesucht. Die Grube Neuruth war ebenso zumindest zwischen 1867 und 1869 noch in Betrieb. Einen Steinbruch für die Ausbeute von Bruchsteinen besaß die Gemeinde Wittgert zudem um 1892.

Auch die beiden heraldischen silbernen Symbole Hammer und Tonkrug erinnern an bedeutende wirtschaftshistorische Aspekte der Ortsgeschichte, bergbauliche und tonverarbeitende Tätigkeiten.

Wittgert war Bestandteil des Kirchspiels und der Vogtei (über den Besitz des Stiftes Dietkirchen) Breitenau. Zusammen mit der Pfarrei rechnete der Ort zur Herrschaft bzw. dem Amt Grenzau, das für den Streubesitz des Hauses Isenburg eingerichtet worden war. Landesherrn waren zunächst die Isenburg-Grenzauer der älteren Linie vor 1213 bis 1291. Dietrich von Isenburg-Arenfels und Luther von Isenburg-Büdingen nahmen dann zwischen 1304 und 1310 eine Teilung der Herrschaft Grenzau vor. Als Trennungslinie wurde die Straße von Bendorf, die hart westlich Grenzhausen und Alsbach ostwärts Grenzau über Deesen, Sessenhausen nach Herschbach verlief, gewählt. Luther erhielt den Teil nördlich dieser Straße, während südöstlich der alten Herrschaft Grenzau an Isenburg-Arenfels fiel.

1376 rechnete die Gemeinde zum Gericht Haiderbach, das nach der Erbteilung von 1304/10 von Isenburg-Arenfels in dessen Teil des Kirchspiels Breitenau eingerichtet worden war.

Seit 1460 behauptete sich – nach der Ererbung eines Teils der Herrschaft – endgültig die salentinisch jüngere Linie Isenburg-Grenzau als Landesherr bis 1664. Sie vereinigte zwischen 1561 und 1565 wieder das kleine Gericht Oberhaid mit dem Kirchenspielsgericht Breitenau.

Im Jahre 1664 fiel die Herrschaft Grenzau zusammen mit Horhausen, Herschbach und Arenfels an das Erzstift Trier, da die Grafen von Isenburg ausstarben. Vom Ende des 17. Jahrhunderts bis vor 1738 gehörte die Gemeinde zum Amt Sayn, 1738 bis 1802 zum Amt Vallendar. 1801 ging der linksrheinische Hauptteil des Erzstiftes an Frankreich verloren. Die rechtsrheinischen Gebiete kamen am 21. Oktober 1802 an die Fürsten von Nassau.

Der Reichdeputationshauptschluß bestätigte die Gebietsveränderungen, von denen in dieser Region insbesondere die Nassauer profitierten. Im Rahmen der Rheinbundakte kam Wittgert 1806 an das neugebildete Herzogtum Nassau. Das Gebiet ging infolge des Deutschen Krieges in preußische Verwaltung über. Die 1867 durchgeführte Verwaltungs- und Gebietsreform teilte Wittgert dem neugeschaffenen Unterwesterwaldkreis mit dem Sitz Montabaur zu.

Landschaftlich rechnet man Wittgert heute zu den sogenannten „Haiderbach-Gemeinden“ im Unterwesterwald. Diese Zugehörigkeit dokumentiert der silberne Wellenpfahl, der darüber hinaus auch an die Lage der Gemarkung im Einzugsgebiet des Saynbach verweist.

 

Zuletzt bearbeitet: 21. Oktober 2016

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