Im Herzen des Kannenbäckerlandes

Wappenbeschreibung des Deesener Wappens

19. Oktober 2016

Wappen Deesen„In Silber ein nach oben und rechts versetztes durchgehendes rotes Kreuz, im Bereich des Schildfußes bedeckt von einer zweibogigen, silbern gefugten schwarzen Brücke, deren rechter Bogen den untersten Teil des Kreuzbalkens sichtbar läßt. Am linken Querarm des Kreuzes, aufgehängt in der Form eines Wirtshausschildes, ein schwarzes Schildchen, darin eine goldene Kanne.

Begründung

Am 30. Januar 1218 verschenkte Burggraf Heinrich von Isenburg auf dem Schönfeld bei Heimbach, der alten Gerichtsstätte des Engersgaues, zu seinem Seelenheil dem Kloster Rommersdorf seinen Hof Markenberg (später Merkelbach). Graf Lothar von Wied und zahlreiche weitere Personen treten als Zeugen der Dotation auf.
Im selben Zusammenhang erneuerte Heinrich von Isenburg zugleich der Abtei Rommersdorf die Schenkung eines Zinses von Gütern in Desene für ein Licht im Kloster.
Zweifellos weist der Ortsname Deesen dem Dorf eine sehr lange Geschichte zu. Nach GENSICKE gehört er zur ersten Schicht der Ortsnamen auf -aha und -affa mit vordeutscher Herkunft. Sicherlich ist die Vermutung berechtigt, für Deesen anzunehmen, daß eine Siedlung hier bereits vor dem 6. Jahrhundert bestand.
Deesen war Bestandteil des Kirchspiels und der Vogtei (über den Besitz des Stiftes Dietkirchen) Breitenau. Zusammen mit der Pfarrei rechnete der Ort zur Herrschaft bzw. dem Amt Grenzau, das für den Streubesitz des Hauses Isenburg eingerichtet worden war. Landesherrn waren zunächst die Isenburger-Grezauer der älteren Linie vor 1213 bis 1291. Dietrich von Isenburg-Arenfels und Luther von Isenburg-Büdingen nahmen dann zwischen 1304 bis 1310 eine Teilung der Herrschaft Grenzau vor. Als Trennungslinie wurde die Straße von Bendorf, die hart westlich Grenzhausen und Alsbach ostwärts Grenzau über Deesen, Sessenhausen nach Herschbach verlief, gewählt. Luther erhielt den Teil nördlich dieser Straße, während der Südostteil der alten Herrschaft Grenzau an Isenburg-Arenfels fiel. Seit 1460 behauptete sich – nach einer Ererbung eines Teils der Herrschaft – endgültig die salentinisch jüngere Linie Isenburg-Grenzau als Landesherr bis 1664. Im Jahre 1664 fiel die Herrschaft Grenzau zusammen mit Horhausen, Herschbach und Arenfels an das Erzstift Trier, da die Grafen von Isenburg ausstarben. Vom Ende des 17. Jahrhunderts bis vor 1738 gehörte die Gemeinde zum Amt Sayn, 1738 bis 1802 zum Amt Vallendar. Die Einführung der Reformation scheiterte, die Protestaten wurden 1559 vertrieben. 1801 ging der linksrheinische Hauptteil des Erzstiftes an Frankreich verloren. Die rechtsrheinischen Teile kamen am 21. Oktober 1802 an die Fürsten von Nassau.
Der Rechtsdeputationshauptschluß bestätigte die Gebietsveränderung, von denen in dieser Region insbesondere die Nassauer profitierten. Im Rahmen der Rheinbundakte kam Deesen 1806 an das neugebildete Herzogtum Nassau. Das Gebiet ging infolge des Deutschen Krieges in preußische Verwaltung über. Die 1867 durchgeführte Verwaltungs-und Gebietsreform teilte Deesen dem neugeschaffenen Unterwesterwaldkreis mit dem Sitz Montabaur zu.
Das rote Kreuz verweist auf die langjährige Zugehörigkeit des Ortes zum Erzbistum Trier. Die schwarze und rote Tinkturen sollen gleichzeitig eine Verbindung zum Wappen von Isenburg-Grenzau herstellen, das ab den 16. Jahrhundert im quadrierten Schild in 1 und 4 die roten, in 2 und 3 die schwarzen Balken führte.
Die zweibogige, silbern gefugte schwarze Brücke verweist auf die Bedeutung der bei Deesen befindlichen Brücken, über die eine wichtige Fernstraße vom Rheinland zum Westerwald durch die Gemarkung Deesen führte. Ein bei Rhembs nach Nordosten über Wittgert, Dessen nach Sessenhausen laufender Strang, der zugleich als Amtsverbindung zwischen Grenzau und Herrschbach fungierte, hat in späterer Zeit einen westlichen Zug völlig überflügelt. Letztendlich garantierte die Straße, die schon 1535 die „Deser Stege“ passierte, eine Anbindung zum Raum Bendorf-Vallendar.
1764 bis 1772 ließ der Trierer Kurfürst Clemens eine neue Brücke über den Saynbach auf steinernem Bogen bauen wegen der ständigen Probleme bei Hochwasser des Saynbaches. Anfang des 19. Jahrhunderts entstand eine neue kleinere Brücke über einen Nebenlauf der Sayn. Das Fundament der älteren Brücke wurde schon 1805 ausgebessert; der Damm war durch das Wasser der Sayn z. T. extrem ausgespült.
1811 waren die beiden Brücken bereits wieder renovierungsbedürftig. Im Jahre 1817 mußte eine neue Brücke über den Wittgerter Bach errichtet werden.
1840 wurde eine neue steinerne Brücke unterhalb Deesen erbaut, da die vorhandene kleine Brücke einsturzgefährdet war. Ein Jahr später war die Erbauung zweier Bohlenbrücken erforderlich geworden.
In der Gemarkung lag 1667 und 1723 das Zollwirtshaus. Dieses wird durch das schwarze Schildchen und der darauf zu sehenden Kanne symbolisiert. Vor 1730 waren mit diesen Anwesen, das an der wichtigen Straße Herschbach – Vallendar/Bendorf lag, in der Reihenfolge der Erbleihe der Schultheiß Heinrich Kern, dessen ältester Sohn Johann Dietrich Kern, dessen Tochter Anna Magdalena verh. Lippin belehnt, 1730 dann Maria Veronika geb. Lippin und ihr Mann Johann Jacob Gassen.
Nach einem Bericht der zuständigen Kellerei vom 27. August 1756 mußte jeder Reisende, der aus dem Amt Herschbach kam, zu Deesen dem Landzoll entrichten.
1788 umfaßte das Bannwirtshaus, Hof, Stallung, Brauhaus, Garten, Landzoll, Wein-, Bier und Branntweinzapf. Es wurde damals an den Zöllner Johann Wilhelm Gassen gegen einen jährlichen Grund- und Erbzins verliehen. Das Wirtshaus wurde als kurfürstliches Lehen gegen einen Canon von 31 Reichstalern 18 Albus vergeben. Sicherlich im Zuge der Säkularisierung erfolgte 1816 eine Entschädigung für den erheblich verliehenen Zoll- und Bannzapf von jährlich 174 fl.15 kr. Schon 1818 wird als Leihträger Heinrich Gassen genannt. Im Jahre 1824 war das zum Wirtshaus gehörige Brauhaus, das wohl seit etwa 1790 lediglich als Holzschuppen gedient hatte, sehr baufällig.
Das Vermögen der Witwe Catharina Gassen geb. Fuhr bestand 1842 in Mobilien von 4.000 fl., Immobilien von 30.000 fl. und Ausständen von 5.000fl. Der gesamte Besitz war schuldenfrei. 1843 ging das Bannwirtshaus an den ältesten Sohn Jacob Gassen über. Die Ablösung des Erbleih-Bannwirtshauses erfolgte schließlich zwischen 1872 und 1874. Eine an die Erbleihträger zu verabreichende Holzabgabe wurde beispielweise 1874 mit 513 Talern 10 Sgr. abgelöst. Nach der Ablösung des jährlichen Erbpacht-Canons am 1. August 1874 ging das Anwesen in das Eigentum der Familie Gassen über.
Das Wappen der Ortsgemeinde Deesen ist somit in erster Linie landesgeschichtlich und wirtschaftshistorisch begründet.

 

Zuletzt bearbeitet: 22. November 2016

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